(I)NTACT- Kampf gegen Mädchenbeschneidung (Ghana und Burkina Faso)

 

 

 

 

(I)NTACT e.V. unterstützt afrikanische Partnerorganisationen bei ihrem Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung. Diese führen Aufklärungskampagnen in den betreffenden Regionen durch. Aktuell ist (I)NTACT in Benin, Burkina Faso, Ghana, Senegal und Togo tätig. Ein grenzüberschreitendes Projekt im Norden Ghanas und Süden Burkina Fasos ist mit Hilfe des NFH Anfang 2014 gestartet. Aktuelle Spende des NfH 10.000 € im Februar 2017.

 

 

 

Sozialarbeiterin mit Beckenbodenmodell bei der Aufklärung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 „Angst, Schmerzen, Infektion“ – In der Aufklärung
verwendete Bildtafel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gegründet wurde (I)NTACT von Christa Müller, der Frau des ehemaligen Finanzministers Oskar Lafontaine. Bei einer Reise nach Benin im Jahr 1995 wurde sie von der Frau des damaligen Präsidenten auf das Problem der Genitalverstümmelung aufmerksam gemacht und um Unterstützung gebeten. Im darauffolgenden Jahr gründete Christa Müller den Verein (I)NTACT e.V., der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die grausame Praktik der Mädchenbeschneidung zu bekämpfen. Der Verein wird nicht selbst vor Ort tätig, sondern unterstützt einheimische Organisationen bei ihrer Arbeit. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sprechen die einheimischen Sprachen und kennen die schrecklichen Folgen der Tradition oft aus eigener Erfahrung. Sie fahren auf Mofas in die Dörfer und sprechen mit den einzelnen Familien. Mit Hilfe von Bildtafeln und Beckenmodellen erläutern sie die gravierenden gesundheitlichen Konsequenzen der Genitalverstümmelung.

Ein weiteres Aufklärungsmittel neben Gesprächen sind Filme oder Theaterstücke. Diese sprechen die Zuschauer auf einer sehr persönlichen Ebene an und führen oft zu spontanen Erfahrungsberichten und Stellungnahmen gegen die Genitalverstümmelung. Die Projektpartner organisieren auch Dorfversammlungen, bei denen in großer Runde über das Thema Mädchenbeschneidung gesprochen wird. Dies ist wichtig, denn Familien können nicht alleine entscheiden, ihre Mädchen nicht mehr beschneiden zu lassen. Daher wird auch immer flächendeckend in einer Region gearbeitet. So müssen Familien nicht befürchten, dass ihre Töchter keinen Ehemann finden, wenn sie nicht beschnitten sind. Die Beschneiderinnen werden ebenfalls in Seminaren aufgeklärt und bekommen die Möglichkeit, gemeinsam die Aufgabe ihres blutigen Handwerks zu beschließen. An Schulen werden Mädchen über ihren Körper und ihre Rechte aufgeklärt.

Von zentraler Bedeutung für den Erfolg der Projekte ist die Arbeit mit den traditionellen und religiösen Autoritäten, wie Fetischpriester, Dorfchefs und Imamen. Sie sind diejenigen, die über die Einhaltung von Traditionen und religiösen Vorschriften wachen. Wenn sie von der Aufgabe der Tradition überzeugt sind und in ihren Gemeinschaften verkünden, dass die Ahnen mit dem Ende der Mädchenbeschneidung einverstanden sind und dass der Islam keine Genitalverstümmlung vorschreibt, ist dies ein entscheidender Schritt für die Überwindung der Tradition. In Benin und Togo war die Arbeit von (I)NTACT schon erfolgreich: Benin feierte im Jahr 2005 ein nationales Fest zum Ende der Beschneidung, in Togo fand dies 2012 statt. Internationale Studien haben gezeigt, dass Genitalverstümmelungen in diesen Ländern nur noch in Ausnahmefällen vorkommen.

Im Norden Ghanas und im Süden Burkina Fasos ist Anfang 2014 mit Unterstützung des NFH (7.000 €) ein grenzüberschreitendes Projekt gestartet. Hier führen drei ghanaische und eine burkinische Partnerorganisation Aufklärungsmaßnahmen mit der Bevölkerung durch. Unterstützt werden sie dabei von unseren Partner aus dem erfolgreichen Projekt in Togo. Hintergrund für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist, dass die Genitalverstümmelung in den meisten Ländern inzwischen verboten ist. Diejenigen, die nach wie vor an der Tradition festhalten, überqueren oft die Grenzen zum Nachbarland, um dort eine Beschneidung ihrer Töchter vornehmen zu lassen. Auch die noch praktizierenden Beschneiderinnen versuchen so, einer Strafverfolgung zu entgehen.

Die Partnerorganisationen haben Mofas und Bildtafeln erhalten und wurden in Aufklärungstechniken geschult.

Detmar Hönle, stellvertretender Vorsitzender von (I)NTACT übergibt die Mofas an die ProjektmitarbeiterInnen aus
Ghana und Burkina Faso.

 

 

 

 

Seit Projektbeginn konnten wichtige Fortschritte erreicht werden. Große Teile der Bevölkerung in den Projektgebieten wurden über die schlimmen Folgen der Genitalverstümmelung aufgeklärt und lehnen die Praktik nun ab.


Es war jedoch schwieriger als geplant für die Projektpartner, Informationen zu noch praktizierenden Beschneiderinnen, zu Traditionshütern, die die Praktik noch unterstützen, und Eltern, die ihre Mädchen noch beschneiden lassen, zu sammeln. Grund dafür ist das gesetzliche Verbot der Genitalverstümmelung und die Angst vor Geld- und Haftstrafen. Vor allem haben aber sowohl ProjektmitarbeiterInnen als auch die Dorfbewohner Angst davor, von den Beschneiderinnen und Traditionshütern mit Krankheit oder Tod gestraft zu werden, wenn sie Informationen weitergeben. Der Glaube an Hexerei und Magie ist weiterhin weit verbreitet und Unfälle, Krankheiten oder Todesfälle in der Familie werden oft auf das Engagement im Kampf gegen Genitalverstümmelung zurückgeführt. Umso erfreulicher sind die Erfolge, die wir bisher erzielen konnten.


Dies ist einer neuen Strategie zu verdanken, die ein langjähriger Regionalkoordinator zusammen mit (I)NTACT-Partnern in diesem Projekt entwickelt hat: die Identifizierung und kostenlose gynäkologische Untersuchung von Mädchen, die in den letzten 3 Jahren beschnitten wurden. Die jeweiligen Beschneiderinnen dürfen mit Einverständnis der Eltern dabei anwesend sein und erleben so hautnah die schlimmen Folgen ihres Tuns. Die Untersuchungen stoßen auf enorme Resonanz bei der Bevölkerung: der Andrang von Eltern, die ihre Mädchen untersuchen lassen wollten, war sehr groß. Die Mütter der Mädchen haben sich auch untersuchen lassen und sogar die Beschneiderinnen! Alle Beschneiderinnen haben große Reue gezeigt und erklärt, dass sie von jetzt an keine Mädchen mehr verstümmeln. Sie arbeiten jetzt aktiv in der Aufklärung mit und mit ihrer Hilfe konnten weitere, noch aktive Beschneiderinnen identifiziert werden. So haben insgesamt 86 Beschneiderinnen erklärt, die grausame Praktik aufzugeben und wirken in der Aufklärung mit. Ebenso konnten 163 traditionelle und religiöse Autoritäten überzeugt werden, die Genitalverstümmelung nicht mehr zu unterstützen und stattdessen die Dorfbevölkerung über die negativen Konsequenzen aufzuklären. Auch die Eltern und die älteren Mädchen selbst haben sich entschlossen, ihre Nachbarn, Klassenkameraden, Freunde und Familienangehörige aufzuklären.

 

Ein Projektmitarbeiter registriert die Mädchen, die während des Seminars für Beschneiderinnen eine kostenlose Untersuchung erhalten (Kpassa, Ghana)

 

Durch den neuen Ansatz hat sich aber auch gezeigt, dass die Genitalverstümmelung im Norden Ghanas noch weiter verbreitet ist, als zu Projektbeginn angenommen. Durch das Vertrauen, was die Projektpartner zur Dorfbevölkerung aufgebaut haben, und die intensive Zusammenarbeit mit den Beschneiderinnen, hat sich herausgestellt, dass es in angrenzenden Projektgebieten weitere noch aktive Beschneiderinnen und Fälle von Mädchenbeschneidung gibt. Daher wird (I)NTACT das laufende Projekt noch bis Oktober 2017 fortführen und im Anschluss weitere Projekte in der Region planen. Außerdem möchte (I)NTACT auch die untersuchten Mädchen, die gesundheitliche Probleme infolge der Genitalverstümmelung haben, mit einer Finanzierung der medizinisch notwendigen Behandlung unterstützen. Ziel von (I)NTACT ist es, Ghana vollständig von der grausamen Tradition zu befreien.
Auf der Homepage www.intact-ev.de  (Nachrichten und Jahresrückblicke) wird regelmäßig über die Projektfortschritte berichtet:


http://www.intact-ev.de/files/Jahresrueckblick/Jahresrckblick_2015.pdf


http://www.intact-ev.de/files/Jahresrueckblick/INTACT_JR16.pdf