„Samadhan“ in Dehradun, Nord Indien: 

Rettung eines Frauenhauses vor der Schließung

Am 19.02.2016 erreichte uns ein Hilferuf aus Indien. Renu D. Singh, Leiterin des Frauenhauses „Samadhan“ in Dehradun (Nord Indien), stand vor dem Aus, weil sie die Pacht für ihr Frauenhaus, die der Vermieter für 25 Jahre im Voraus verlangte, nicht aus eigener Kraft aufbringen konnte. Bis Ende April 2016 wurden rund 67 000 Euro benötigt. Die Organisation Heartkids e.V., die seit 2004 in Indien zum Aufbau von Kinderdörfern und Ausbildungsstätten aktiv ist, sprang in dieser Notsituation ein und organisierte einen Spendenaufruf. Der NfH hat mit 10.000 € dazu beigetragen, dass diese Mission zum Erfolg wurde und die Pacht beglichen werden konnte.

Mädchen im Slum 16 Mdchen im Slum

 

"Samadhan" Mädchen 16 Renus Mdchen

 

Renu D. Singh und Judith Retz auf dem Weg in den Slum16 Renu und Judith auf dem Weg in den Slum

 

Judith Retz ist mit ihrer Organisation Heartkids e.V. bereits seit 2004 überwiegend im Süden Indiens aktiv. Heartkids widmet sich vor allem dem Thema Bildung als wichtige Grundlage für die Hilfe zur Selbsthilfe. Dies erfolgt u.a. durch den Bau von zwei Kinderdörfern für Waisenkinder (inklusive guter Schulbildung und Studienfinanzierung) sowie durch die Errichtung von Ausbildungsstätten und Kindertagesstätten.

Auf das Projekt "Samadhan" in Dehradun, Nord-Indien, wurde Judith Retz im Herbst 2015 von einer deutsch-indischen Freundin hingewiesen. Sie ist daraufhin mit der Leiterin Renu D. Singh in Kontakt getreten und hat schnell von ihrer akuten Notlage bezüglich der Pacht für das Samadhan-Frauenhaus erfahren. Bis Ende April 2016 sollte die Pacht für die nächsten 25 Jahre für das im Voraus bezahlt werden! 67 000 Euro wurden hierfür benötigt.

Ohne die Pacht hätten alle Mädchen ihr Zuhause verloren und Renu D. Singh hätte ihre Mission nicht weiter fortführen können. Sie ist auf das Haus angewiesen, in dem sie ihre Arbeit seit jeher macht und in dem 50 Mädchen und Frauen zeitgleich Schutz finden und zwischen sechs Wochen (Kurzintervention) und 5 Jahren (Langzeitplan inklusive Jura-Studium) bleiben können. Vom Anwalt des Vermieters war bereits eine Etage abgesperrt worden, um seiner Drohung Nachdruck zu verleihen, Renu D. Singh und ihre Mädchen Ende April auf die Straße zu setzen, wenn bis dahin die Summe nicht eingegangen wäre.

Für die laufenden Kosten der Mission von Renu D. Singh war bisher immer durch indische Spenden und ihre eigene Berufstätigkeit gesorgt, aber nun hatte sie keinerlei Möglichkeit, die große Summe für die Pacht selbst zu aufzubringen. An dieser Stelle sprang Judith Retz mit ihrem Verein "Heartkids e.V." ein und startete einen Spendenaufruf.

Renu D. Singh leistet mit ihrer Arbeit großartige Hilfe zur Selbsthilfe. Denn im Frauenhaus „Samadhan“ werden aus Opfern Überlebende, die ihr Leben außergewöhnlich gut meistern und damit auch Vorbildfunktion haben als starke, gebildete Frauen innerhalb der patriarchalischen indischen Gesellschaft. Dieser langfristige Nutzen gepaart mit Renus D. Singhs Mut und Liebe waren die zentralen Punkte für Heartkids e.V., hier als "Retter in der Not" einzuspringen.

Das Projekt “Samadhan” gibt es bereits seit über 30 Jahren. Renu D. Singh widmet sich schon seit ihrer Jugend weiblichen Opfern von Gewalt. Damals hatte sie ein vom Vater vergewaltigtes Mädchen blutend auf der Straße gefunden und spontan mit ihrem Moped gerettet. So begann ihre Mission für die Töchter Indiens, die sie mittlerweile sehr professionell als Anwältin, Sozialarbeiterin und Frauenrechtlerin verfolgt. Das Frauenhaus “Samadhan” gibt es bereits über zwei Jahrzehnte. "Samadhan" bedeutet Lösung. Renu D. Singh bietet Frauen in vermeintlich ausweglosen Situationen Lösungen an, viele der Mädchen wollten vor ihrer Rettung sterben.

Ziel ist es, Mädchen und Frauen, die Gewalt erfahren haben, im “Schutzcenter” aufzunehmen, damit sie dort Traumatherapie erhalten, Beratung im Strafprozess bekommen und dann studieren können, um eines Tages selbst als Anwältin anderen Mädchen und Frauen bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu helfen. Renu D. Singh nimmt Opfer von Gruppenvergewaltigungen auf, befreit junge Frauen aus grausamen Gewalt-Beziehungen, sie arbeitet in Slums, rettet Mädchen “ohne Identität” vor dem sicheren Tod, nachdem sie auf geheimen Vergnügungspartys stundenlang von mächtigen Männern missbraucht wurden. Renu D. Singh befreit Kinder aus Zwangsprostitution und gibt Mädchen eine Stimme, die von ihren Peinigern mundtot gemacht werden sollen. Die Mädchen werden als Vergewaltigungsopfer von ihren Familien verstoßen (sind ein "Fluch/schlechtes Omen"), aber später dann i.d.R. als Anwältinnen wieder aufgenommen, transportieren Veränderung in ihre Familien hinein, gründen selbst eigene moderne Familien und verändern als Anwältinnen und als Familienmütter über die Jahre hinweg das Gesicht Indiens im Umgang mit Mädchen und Frauen, Sexualität und Gewalt.

Bemerkenswert ist, dass die Gewaltopfer nicht nur Schutz und Therapie bei Renu D. Singh finden, sondern selbst eine so gute Ausbildung erhalten, dass sie zum einen trotz der furchtbaren Geschehnisse ein würdevolles Leben führen können, zum anderen dann aber die Mission als Anwältin selbst weiter in der indischen Gesellschaft fortsetzen können. Es sind bereits 1700 zertifizierte Anwältinnen aus der Arbeit von „Samadhan“ hervorgegangen und unzählige "moderne Familien" durch diese Frauen gegründet worden.

Nachdem Judith Retz über ihre Organisation „Heartkids e.V.“ die komplette Summe für die Pacht hatte sammeln können, gab es folgende Äußerungen:

Judith Retz: „Niemals nie hätte ich das geglaubt – Weihnachten war doch gerade vorbei und alle hatten eigentlich ihre „Pflicht erfüllt“. Aber eben nur eigentlich. Manchmal ist Weihnachten auch im Februar! Wunder sind möglich, wenn wir uns berühren lassen vom Leid und vom Mut unserer Mitmenschen.“

Renu D. Singh: „Wie werde ich jemals fähig sein, meine Dankbarkeit auszudrücken - Dir gegenüber, Engel, und allen anderen, die diese Mission gerettet haben. Es wurde nur durch wahre Liebe und Gottes Segen möglich.“